Röthen oder Röden

Röthen oder Röden – was ist denn nun richtig?

Unterschiedliche Schreibweise hat ihre eigene Geschichte
Von Thomas Schwämmlein
In Sonneberg gibt es einen Fluss Röthen und ein Röthengäschen; in Neustadt gibt es einen Fluss Röden und ein Wohngebiet Rödenauen …

Röthengäschen und Rödenauen sind verschiedene Lokalitäten – Röthen und Röden dagegen ein und derselbe Fluss. Immer wieder fragen Leser in der Redaktion nach, was denn nun richtig ist: Röden oder Röthen?

Fest steht, dass auf aktuellen bayerischen Katasterblättern der Fluss, der weit nördlich von Sonneberg seinen Anfang nimmt und dessen Quellfassung zu Mengersgereuth/ Hämmern gehört, eben als „Röden“ steht. Fest steht aber auch, dass auf den aktuellen thüringischen Katasterblättern das Flüsschen als „Röthen“ zu lesen ist. Und das das, was auf dem Katasterblatt steht, Gesetz ist, können weder die Neustadter aus ihrer „Röden“ eine „Röthen“ machen wie umgekehrt die Sonneberger aus „Röthen“ eine „Röden“.

Aber warum diese unterschiedliche Schreibweise. Der Fluss Röthen hat zunächst seinen Namen von der Farbe Rot, wie schon in den 30er-Jahren der Sonneberger Heimatforscher Hermann Kaiser festgestellt hat. Rote Sandsteine und rote Sandböden stehen nämlich nicht nur am Eichberg mitten in Sonneberg an, wo die Röthen vorbeifließt, sondern weiter flussabwärts bei Mönchröden, wo die Röden vorbeifließt. Das im 12. Jahrhundert gegründete Kloster Mönchröden hat ebenso seinen Namen von diesem Fluss wie Sonneberg, dessen ursprünglicher Name auch Röthen war und dessen ältester Siedlungskern unterhalb des Eichbergs lag. „Röthen“ oder „Röden“ war auch die vielfach geübte Schreibweise des Flusses in Schreibstuben der Behörden bis ins 18./19. Jahrhundert.

Auch als ab 1863 bayerische Vermesser die Gemarkungen des Sonneberger Landes im Auftrag des Herzogtums Sachsen-Meiningen katastermäßig erfassten, schrieben sie auf den Urkarten fein säuberlich mit Tinte noch die „Röthen“ als Flussname. Offenbar wurde aber noch 1863/64 diese Schreibweise einer Revision unterzogen, denn ein unbekannter Korrektor änderte die Schreibweise in „Röden“ indem er mit roter Tinte das „th“ aus dem Wort strich. In den ersten gedruckten Katasterkarten Sonnebergs hieß fortan der Fluss „Röden“ wie auch in Coburg.

Ein möglicher Anlass könnte die weiche Aussprache der Sonneberger sein, die eben sehr oft aus einem „t“ ein „d“ macht. Man glich eben die Schreibweise der Aussprache an. Ende des 19. Jahrhunderts war man sich eines Fehlers offenbar bewusst und kehrte 1904 zur Schreibweise „Röthen“ zurück, die sich seither auf den Katasterplänen findet und bis heute Gültigkeit hat. In Coburg und Neustadt blieb es dagegen bei der Schreibweise „Röden“.

Die unterschiedliche Schreibweise führte teilweise zu Kuriositäten. So findet sich auf der vom Bayerischen Landesvermessungsamt redigierten Topographischen Karten in Maßstab 1:25000, Blatt Neustadt der Fluss nördlich Sonnebergs als „Röden“ geschrieben; der Grund aber, durch den dieser Fluss fließt an derselben Stelle als „Röthengrund“ geschrieben, ganz in thüringischer Tradition.

An der unterschiedlichen Schreibweise – sie hat sich vor Ort mittlerweile eingebürgert – wird sich so schnell nichts ändern. Aber vielleicht ist das auch nicht unbedingt nötig, so lange jeder weiß, was gemeint ist, wenn der eine von der „Röden“ und der andere von der „Röthen“ redet.

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