Zur Situation junger Menschen


JugendarbeitJugendarbeit setzt an den aktuellen Lebensbedingungen junger Menschen an. Neben örtlichen Bedingungen spielen dabei auch allgemeine gesellschaftliche Faktoren eine entscheidende Rolle. Vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Umbrüche hat sich das Leben von Kindern und Jugendlichen in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Im Folgenden sollen daher die Lebenslagen junger Menschen schlaglichtartig aufgezeigt werden, ohne daß dabei ein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben wird.

Von besonderer Bedeutung sind hier zunächst die Prozesse der Individualisierung und Pluralisierung. Ausgangspunkt hierfür sind mehrere gesellschaftliche Veränderungen, welche mit dem Begriff „Auflösung sozialer Milieus" umschrieben werden können. Anzuführen sind hier bspw. die vielfältigen Anforderungen des Arbeitsmarktes hinsichtlich Mobilität und Flexibilität, die Abnahme des regulierenden Einflusses der Kirchen, die Familie verliert zunehmend ihre Funktion als Sozialisationsinstanz, einhergehend mit der Auflösung traditioneller Familienverhältnisse. Normen und Werte verlieren in der heutigen Gesellschaft immer mehr an Verbindlichkeit.
Individualisierung von Lebensführung bedeutet eine allgemeine Tendenz dahin, die außerordentliche Vielfalt von Lebensgestaltungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche jeweils individuell zu nutzen. Dies ist einerseits positiv zu bewerten, bringt jedoch auch eine Vielzahl von Problemen mit sich:
Kinder und Jugendliche stehen vermehrt vor dem Problem, sich entscheiden zu müssen, ohne über Kriterien zu verfügen, die eine begründete Entscheidung ermöglichen. Was gut oder schlecht, richtig oder falsch ist, wird immer unklarer. Junge Menschen stehen hier vor dem Problem, daß es zusehends schwieriger wird, eine normative Orientierung aufzubauen. Zudem haben Kinder und Jugendliche die hypothetisch-reale Perspektive vor Augen, daß womöglich sowieso alles sinnlos ist, weil zum Beispiel nach beendeter Ausbildung erst mal Arbeitslosigkeit droht.
Pluralisierung der Lebenslagen meint eine starke Ausdifferenzierung der Lebensverhältnisse. Dies bedeutet, daß man heute immer weniger von „der Jugend" sprechen kann. Entscheidend für einen Jugendlichen heute ist vor allem, ob er einer deutschen oder ausländischen Familie angehört, ob seine Eltern geschieden sind oder ob die Ehe noch intakt ist, ob er im Ballungszentrum oder im ländlichen Raum lebt, oder welcher Einkommensgruppe der Haushaltsvorstand angehört.
Um die heutige Situation junger Menschen verstehen zu können, ist es weiterhin wichtig, folgende Veränderung der Lebensphase Jugend zu registrieren. Im Gegensatz zu den 70er Jahren wird die Jugendphase verlängert. Das heißt sie beginnt bereits eher, da biologische gesehen immer mehr Kinder früher in die Pubertät kommen. Dies führt dazu, daß heute bereits 11jährige jugendliche Lebensstile praktizieren. Sie endet später, da durch die Ausweitung des Bildungssystems die Ausbildung immer länger dauert. So sind heute 25jährige immer noch nicht vom Elternhaus sozial und ökonomisch unabhängig. Auf der anderen Seite sind sie aber schon sehr früh an der massenmedialen Freizeitgesellschaft beteiligt. Kinder und Jugendliche werden vermehrt von kommerziellen Freizeitanbietern umworben. Es stehen somit zwar vielfältige Alternativen zur Verfügung, jedoch fehlt es den jungen Menschen an Ressourcen ihre Vorstellungen zu realisieren, was wiederum erhebliche Probleme provozieren kann.